13-PA-L1-11 (Vorjahr)
Lernwochenende

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13.2 Identitätsbildung

(2) Letze Vorbereitungen

Theorienlandkarten
Probeklausur1

Probeklausur2
Probeklausur3

(1) Entstehung und Förderung von Identität und Mündigkeit (mit Bezug auf Krappmanns Identitätskonzept)
In seinem Buch "Soziologische Dimensionen der Identität" entwickelt Lothar Krappmann 5 Grundqualifikationen für das Rollenhandeln, die ein Individuum idealerweise beherrschen sollte, um im kontinuierlichen Zusammenspiel mit den Anderen seine Identität zu wahren und fortzuschreiben. Diese Grundqualifikationen können bestens in das u.g. Thema der Organisation der Moralerziehung sowie in unsere Vorstellungen zu interkulturelle Pädagogik integriert werden.

Text Krappmann
Folien Krappmann

Grundqualifikationsmatrix
Beispiel-Dialoge

13.1 Normen und Ziele in der Erziehung

(4) Konzepte der Moralerziehung (unter besonderer Berücksichtigung des Modells von Kohlberg)
Wir vergleichen nun 4 Konzepte der Moralerziehung (vergl. EB S. 159-164): Wertübertragung, Werterhellung, Wertentwicklung und Wertkommunikation. Wir sehen, dass es In der Moralerziehung letztlich wie auch in der interkulturellen Pädagogik um die Frage von gut oder böse bzw. wahr oder falsch geht. Entsprechend müsste Seyran Ates eine transkulturelle Moral fordern.
So überprüfen wir, welches der o.g. Moralkonzpte am besten mit unseren grundlegenden Vorstellungen zur interkulturellen Pädagogik zusammenpasst und wie deswegen Moralerziehung von früh an organisiert werden muss.

EB S. 159-164
Kohlberg

Überprüfung

Organisation

(3) Konzepte interkultureller Pädagogik: Nieke, Holzbrecher
Wenn Kulturen aufeinanderstoßen, kann das, wie ein buntes Straßenfest mit vielen Nationalitäten zeigt, durchaus gut gehen und allen Beteiligten einen schönen Nachmittag bereiten. Kulturen können aber auch viel unversöhnlicher aufeinanderstoßen. Dafür gibt es viele Beispiele:
+ Ein Vater, dessen Tochter das Abitur nicht geschafft hat, schickt diese gegen ihren Willen zur Zwangsverheiratung in ihr Heimatland.
+ Ein Arbeitgeber stellt grundsätzlich keine "Ausländer" ein.
+ Ein muslimisches Mädchen, das sich in einen einen Jungen verliebt hat, der einer anderen Religion angehört, wird von ihren Brüdern mit dem Tode bedroht und schließlich ermordet.
+ Neonazis ermorden ausländische Mitbürger. Skinheads jagen Menschen mit anderer Hautfarbe und verletzten diese schwer mit Baseballschlägern.
+ Muslimische Mädchen dürfen nicht mit zur Klassenfahrt, nicht zum Schwimmunterricht usw..
+ Der Essener Bischof Overbeck tritt in der ARD bei Anne Will auf und äußert sich so über Homosexuelle, wie man sich normaler Weise in unserer Gesellschaft nicht über gleichberechtigte Mitmenschen äußert.
In all diesen Fällen wird die freie Entfaltung von Menschen auf unterschiedlich grausame Art und Weise von anderen Menschen eingeschränkt, die glauben zu diesen Einschränkungen berechtigt zu sein. Sie meinen, eine "Wahrheit" vertreten zu dürfen oder zu müssen, die ihnen größeres Recht bzw. ein Recht gibt, anderen ihr Recht zu nehmen.
Hier stellt sich die erkenntnistheoretische Frage, wie Menschen mit ihren geistigen Möglichkeiten überhaupt in der Lage sein können, so viel "Wahrheit" für sich zu erkennen, dass sie anderen ihre "Wahrheit" absprechen können. Viele dieser "Wahrheitsbesitzer" berufen sich auch gar nicht darauf, dass sie es sicher wüssten, vielmehr geben sie freimütig zu, dass es ihr Glaube sei, so handeln zu müssen. Das treibt die Sache auf die Spitze: Da glaubt einer und sein Mitmensch soll darunter leiden.
Treffen Kulturen so aufeinander, ist auf Dauer kein friedvolles Miteinander denkbar. - Was ist in einer solchen Situation zu tun? - Eine erste Antwort gibt die Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahre 1779. Aber auch die moderne Erkenntnistheorie kann nur die Unerkennbarkeit der Wahrheit konstatieren, was nach Ralf Dahrendorf die Notwendigkeit begründet, im demokratischen Dialog argumentativ den Weg zu finden, der vorläufig gemeinsam als derzeitig wahr gelten kann. Hier hört dann frei nach Rosa Luxemburg die Freiheit des einen dort auf, wo die des anderen beginnt, so dass jeder für sich alles glauben kann, aber nichts für andere.
Wie kann daraus konkret Pädagogik werden? Sicherlich nicht so wie Wolfgang Nieke das meint. Er leistet nach viel wertrelativistischem Gerede dann, wenn er sich an einem konkreten Konfliktbeispiel versucht, den intellektuelle Offenbarungseid, wenn er sagt: "Wenn der Vater eine solche situative Begrenzung der Geltung seiner Weltdeutung ganz unerträglich findet, bleibt ihm keine andere Möglichkeit, als in einem Staat seinen Wohnsitz zu nehmen, in dem diese Weltdeutung unangefochten in Geltung bleiben kann." (EB. S. 212 Z 220ff) Praktisch hieße das für ein in der zweiten Generation hier geborenes Mädchen, dass geschlagen wird, dass wir sagen: "Geh' doch zurück in dein Heimatland, da ich nicht weiter sehen, wie du deine Tochter schlägst!" Das, Herr Nieke, hilft keinem hier geborenen Kind, dass wir es mit seinem Drangsalierer heimschicken.
Da sind die Gedanken von Seyran Ates schon viel weiterführender. Sie spricht sich gegen das wertrelativistische Gerede à la Nieke aus und hat erkannt, dass es in der immer enger werdenden Welt nicht ohne eine Debatte über transkulturelle Werte gehen wird. Sie macht dazu als türkischstämmige Frau ihren europäisch aufklärerischen Vorschlag, knüpft letztlich bei der Ringparabel an und verlangt unter dem Motto "Leitkultur als Streitkultur" eine Debatte über transkulturelle Werte.
Was heißt das nun für hier geborene und/oder aufwachsende Migrantenkinder? Ihnen hilft es nicht, wenn wir ihnen mit Kant kommen. Sie werden keine toleranten Demokraten, weil wir es ihnen philosophisch erklärt haben. Sie werden es nur dann, wenn sie hier in ihrem kleinen ganz konkreten Leben erfahren könne, dass wir als tolerante Demokraten in der Lage sind, ihnen Schutz und eine Lebensperspektive zu bieten. Dann können sie sich aus eigener Erfahrung, aus besser gelebtem eigenen Leben frei für das transkulturelle Modell entscheiden. Wir müssen sie durch Taten nicht durch Philosophen überzeugen. Das heißt im je individuellen Fall, dass in ihrem Leben ein Schwenk stattfinden muss weg von einer Kultur, die ihnen ihre individuellen Rechte nicht gewährt. Auf diesem schwierigen Weg benötigen sie die Hilfe ihrer Erzieher, Lehrer, Nachbarn, der anderen Kinder und Jugendlichen in Schule und Vereinen und im Zweifel auch die des Jugendamtes, der Polizei und des Strafgesetzbuches.
"Kämpfen Herr Nieke, nicht wegschicken!"

Noch weniger hat Herr Holzbrecher verstanden oder die, die ihn ins Curriculum des Zentralabis geschrieben haben. Holzbrecher nimmt das Thema eigentlich gar nicht an. Er befasst sich nur damit, wie man im Pädagogikunterricht interkulturell nett miteinander sein kann. Dahinter steckt in der gymnasialen Oberstufe bei Personen, die sich "in Päda" treffen, nun wirklich kein Problem. für das man einen Professor benötigte bzw. das Abiturniveau hat.
Dennoch müssen wir uns den zumidest den Nieke und im Zweifel auf den Hozbrecher "reinpfeifen", war es doch im letzten Zentralabi zielführend, Niekes läppische Regeln, die im Zweifel zum Wegschicken führen, detailreich zu kennen.

Kant-SMS

Proud American


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EB S. 191-217

Fall Hasan

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Ringparabel

Erkenntnistheorie:

Tafelbild

Überlappende
Wahrheitsansprüche

Ungewissheit, Wissenschaft
und Demokratie

Bacon-Popper-Dahrendorf

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Ates: Der Multikulti-Irrtum
Tafelbild

Nieke:
EB: S. 198-212
Folien dazu

Holzbrecher:
EB: S. 213-216

Zusätzlich interessant
Pinar Selek:
Türkische Männlichkeit

 

(2) Bildungs- und schultheoretische Perspektiven nach PISA
Das deutsche Bildungswesen ist einerseits demokratische legitimiert. Denn schließlich kommt die Schulministerin durch Landtagswahlen letzlich an ihren Job. Andererseits ist es zutiefst autoritär strukturiert. Denn aus dem Schulministerium wird haarklein bestimmt, was und wie an allen Schulen in NRW zu tun ist. Das macht im Blick auf die Gewährleistung gleicher Bildungschancen einerseits Sinn, da nicht jede Schule einfach das machen kann, was sie will. Andererseits würde es sicher ausreichen, das "WAS" zu bestimmen und z.B. in zentralen Prüfungen zu kontrollieren. Das "WIE" aber muss frei gegeben werden, damit sich unter den Schulen ein Wettbewerb um den effektivsten Weg ergeben kann. Wenn alles auf festgeschriebenen Wegen erreicht werden soll, gibt es nur wenig Konkurrenz und keinen Fortschritt. So könnte man durch aus sagen:

Wenn die deutsche Automobilindustrie auch durch Bezirksregierungen und Schulministerien geführt würde, führen wir heute noch alle "Trabi" wie ehedem in der DDR.

Dort gab es auch keine wirkliche Konkurrenz im Autobau und nichts entwickelte sich wirklich nach vorn, während im Westen durch Konkurrenz der Unternehmen untereinander eine der leistungsfähigsten Industriezweige der Welt entstand. Gleiches gilt aber nicht für das Bildungswesen. Hier gibt es keine wirkliche Konkurrenz der Schulen untereinander. Keine Schule kann ihren speziellen Weg zum Abitur anbieten und dabei auf Erfolge verweisen, die weniger erfolgreiche unter Zugzwang bringt, sich zu verbessern.
Im Gegenteil: Erhält eine Schule weniger Zulauf, weil andere Schulen trotz aller Uniformierungen die Nase dennoch vorn haben, bestimmt z.B. die Stadt, dass die beliebtere Schule Anmelder an weniger beliebte Schulen abgeben muss. Das sollte man sich einmal im Automarkt vorstellen: Ich will einen VW und bekomme einen Ford zugewiesen. Dann müsste sich Ford nicht mehr um Produktverbesserungen bemühen, sondern kann träge dahinwurschteln und auf die Zuweisungen warten.

Um diese konkurrenzfreie Bildungslandschaft "aufzumischen", wurden PISA- und OECD-Studien u.a entwickelt. Mit diesen internationalen Bildungstest kann nun plötzlich klar werden, wo Deutschland im internationalen Vergleich steht. Leider sind wir dort lange nicht so gut wie im Automobilbau.
Die Gründe sind vielfältig. Ein gewichtiger Grund ist zweifelsfrei die konkurrenzfreie Organisation des Bildungswesen durch landeszentrale Bildungsbürokratien.
Sie wollen ihre landeszentrale Macht nicht abgeben und fürchten, dass sich bei frei gegebener Konkurrenz herausstellen könnte, dass sie selbst und ihr konkurrenzfeindliches zentrales Normierungsdenken den Kern des Problems bilden.

Wir werden nun untersuchen, was die internationalen Bildungsvergleiche ergeben haben und welche alternativen Wege, Schule besser zu organisieren, es in diversen Bildungsnischen dennoch erstaunlicher Weise gibt.

PISA-OECD-Ergebnisse

Pisa 2006
Pisa 2009
OECD-2010

Treibhäuser der
Zukunft: Wie Schulen in
Deutschland gelingen

Perspektiven
und
Begründungs-
zusammenhänge

Perspektiven
nach Pisa


(1) Erziehung im Nationalsozialismus, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Politik und Pädagogik
Anhand des Films Napola, der fiktional, aber mit dokumentarischem Anspruch, das Erziehungswesen des NS-Staates deutlich macht, erarbeiten wir dieses Thema.
Es geht darum deutlich zu machen, wie früherkannt werden kann, das etwas in die falsche, in die nazistische Richtung führt, wie z.B. Erlebnispädagogik missbraucht wurde und wie sich die Denkgebäude totalitärer Regime von denen unterscheiden, in denen sich Theoriefortschritt auf demokratische Weise vollzieht.
Aus dieser Perspektive erweist sich das Theoriegebäude, z.B. der Montessori-Pädagogik als wohlbegründete offen überprüfbare Theorie, da aus den 5 Perspektiven der Theoriekritik kein wesentlich negativer Befund resultiert. Ganz anders die Theorie der NS-Erziehung, die aus allen 5 Perspektiven der Theoriekritik massiv letal kritisiert werden kann und muss.

Die Strukturfolie zur Theoriebildung wird uns auch in den weiteren Themen begleiten, müssen wir doch immer mehr Theorien, die wir bislang vielleicht auch nur von innen heraus verstanden haben, mit anderen vergleichen, sie in den Zeitbezug stellen, ihre Problemlösungskraft beurteilen und ihre empirisch wissenschaftliche Basis überprüfen.

Beispiel einer
wohlbegründeten Theorie

Historische Wurzeln
der Theoriebeurteilung

5 Perspektiven
der Theoriekritik
Theoriestuktur

zusätzliche NS-Texte
Phoenix, S. 436ff und 453f
Eure kritischen
Präsentationen