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Konzepte interkultureller Pädagogik: Nieke, Holzbrecher
Wenn Kulturen aufeinanderstoßen, kann das, wie ein buntes Straßenfest
mit vielen Nationalitäten zeigt, durchaus gut gehen und allen Beteiligten
einen schönen Nachmittag bereiten. Kulturen können aber auch
viel unversöhnlicher aufeinanderstoßen. Dafür gibt es
viele Beispiele:
+ Ein Vater, dessen Tochter das Abitur nicht geschafft hat, schickt diese
gegen ihren Willen zur Zwangsverheiratung in ihr Heimatland.
+ Ein Arbeitgeber stellt grundsätzlich keine "Ausländer"
ein.
+ Ein muslimisches Mädchen, das sich in einen einen Jungen verliebt
hat, der einer anderen Religion angehört, wird von ihren Brüdern
mit dem Tode bedroht und schließlich ermordet.
+ Neonazis ermorden ausländische Mitbürger. Skinheads jagen
Menschen mit anderer Hautfarbe und verletzten diese schwer mit Baseballschlägern.
+ Muslimische Mädchen dürfen nicht mit zur Klassenfahrt, nicht
zum Schwimmunterricht usw..
+ Der Essener Bischof Overbeck tritt in der ARD bei Anne Will auf und
äußert sich so über Homosexuelle, wie man sich normaler
Weise in unserer Gesellschaft nicht über gleichberechtigte Mitmenschen
äußert.
In all diesen Fällen wird die freie Entfaltung von Menschen auf unterschiedlich
grausame Art und Weise von anderen Menschen eingeschränkt, die glauben
zu diesen Einschränkungen berechtigt zu sein. Sie meinen, eine "Wahrheit"
vertreten zu dürfen oder zu müssen, die ihnen größeres
Recht bzw. ein Recht gibt, anderen ihr Recht zu nehmen.
Hier stellt sich die erkenntnistheoretische Frage, wie Menschen mit ihren
geistigen Möglichkeiten überhaupt in der Lage sein können,
so viel "Wahrheit" für sich zu erkennen, dass sie anderen
ihre "Wahrheit" absprechen können. Viele dieser "Wahrheitsbesitzer"
berufen sich auch gar nicht darauf, dass sie es sicher wüssten, vielmehr
geben sie freimütig zu, dass es ihr Glaube sei, so handeln zu müssen.
Das treibt die Sache auf die Spitze: Da glaubt einer und sein Mitmensch
soll darunter leiden.
Treffen Kulturen so aufeinander, ist auf Dauer kein friedvolles Miteinander
denkbar. - Was ist in einer solchen Situation zu tun? - Eine erste Antwort
gibt die Ringparabel
von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahre 1779. Aber auch die moderne
Erkenntnistheorie
kann nur die Unerkennbarkeit der Wahrheit konstatieren, was nach Ralf
Dahrendorf die Notwendigkeit begründet, im demokratischen
Dialog argumentativ den Weg zu finden, der vorläufig gemeinsam als
derzeitig wahr gelten kann. Hier hört dann frei nach Rosa Luxemburg
die Freiheit des einen dort auf, wo die des anderen beginnt, so dass jeder
für sich alles glauben kann, aber nichts für andere.
Wie kann daraus konkret Pädagogik werden? Sicherlich nicht
so wie Wolfgang Nieke das meint. Er leistet nach viel wertrelativistischem
Gerede dann, wenn er sich an einem konkreten Konfliktbeispiel versucht,
den intellektuelle Offenbarungseid, wenn er sagt: "Wenn der Vater
eine solche situative Begrenzung der Geltung seiner Weltdeutung ganz unerträglich
findet, bleibt ihm keine andere Möglichkeit, als in einem Staat seinen
Wohnsitz zu nehmen, in dem diese Weltdeutung unangefochten in Geltung
bleiben kann." (EB.
S. 212 Z 220ff) Praktisch hieße das für ein in der zweiten
Generation hier geborenes Mädchen, dass geschlagen wird, dass wir
sagen: "Geh' doch zurück in dein Heimatland, da ich nicht weiter
sehen, wie du deine Tochter schlägst!" Das, Herr Nieke, hilft
keinem hier geborenen Kind, dass wir es mit seinem Drangsalierer heimschicken.
Da sind die Gedanken von Seyran Ates
schon viel weiterführender. Sie spricht sich gegen das wertrelativistische
Gerede à la Nieke aus und hat erkannt, dass es in der immer enger
werdenden Welt nicht ohne eine Debatte über transkulturelle Werte
gehen wird. Sie macht dazu als türkischstämmige Frau ihren europäisch
aufklärerischen Vorschlag, knüpft letztlich bei der Ringparabel
an und verlangt unter dem Motto "Leitkultur als Streitkultur"
eine Debatte über transkulturelle Werte.
Was heißt das nun für hier geborene und/oder aufwachsende
Migrantenkinder? Ihnen hilft es nicht, wenn wir ihnen mit Kant
kommen. Sie werden keine toleranten Demokraten, weil wir es ihnen philosophisch
erklärt haben. Sie werden es nur dann, wenn sie hier in ihrem kleinen
ganz konkreten Leben erfahren könne, dass wir als tolerante Demokraten
in der Lage sind, ihnen Schutz und eine Lebensperspektive zu bieten. Dann
können sie sich aus eigener Erfahrung, aus besser gelebtem eigenen
Leben frei für das transkulturelle Modell entscheiden. Wir müssen
sie durch Taten nicht durch Philosophen überzeugen. Das heißt
im je individuellen Fall, dass in ihrem Leben ein Schwenk stattfinden
muss weg von einer Kultur, die ihnen ihre individuellen Rechte nicht gewährt.
Auf diesem schwierigen Weg benötigen sie die Hilfe ihrer Erzieher,
Lehrer, Nachbarn, der anderen Kinder und Jugendlichen in Schule und Vereinen
und im Zweifel auch die des Jugendamtes, der Polizei und des Strafgesetzbuches.
"Kämpfen Herr Nieke, nicht wegschicken!"
Noch
weniger hat Herr Holzbrecher verstanden oder die, die ihn ins Curriculum
des Zentralabis geschrieben haben. Holzbrecher nimmt das Thema eigentlich
gar nicht an. Er befasst sich nur damit, wie man im Pädagogikunterricht
interkulturell nett miteinander sein kann. Dahinter steckt in der gymnasialen
Oberstufe bei Personen, die sich "in Päda" treffen, nun
wirklich kein Problem. für das man einen Professor benötigte
bzw. das Abiturniveau hat.
Dennoch
müssen wir uns den zumidest den Nieke und im Zweifel auf den Hozbrecher
"reinpfeifen", war es doch im letzten Zentralabi zielführend,
Niekes läppische Regeln, die im Zweifel zum Wegschicken führen,
detailreich zu kennen.
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(2)
Bildungs- und schultheoretische Perspektiven nach PISA
Das deutsche Bildungswesen ist einerseits demokratische legitimiert. Denn
schließlich kommt die Schulministerin durch Landtagswahlen letzlich
an ihren Job. Andererseits ist es zutiefst autoritär strukturiert.
Denn aus dem Schulministerium wird haarklein bestimmt, was und wie an
allen Schulen in NRW zu tun ist. Das macht im Blick auf die Gewährleistung
gleicher Bildungschancen einerseits Sinn, da nicht jede Schule einfach
das machen kann, was sie will. Andererseits würde es sicher ausreichen,
das "WAS" zu bestimmen und z.B. in zentralen Prüfungen
zu kontrollieren. Das "WIE" aber muss frei gegeben werden, damit
sich unter den Schulen ein Wettbewerb um den effektivsten Weg ergeben
kann. Wenn alles auf festgeschriebenen Wegen erreicht werden soll, gibt
es nur wenig Konkurrenz und keinen Fortschritt. So könnte man durch
aus sagen:
Wenn
die deutsche Automobilindustrie auch durch Bezirksregierungen und Schulministerien
geführt würde, führen wir heute noch alle "Trabi"
wie ehedem in der DDR.
Dort
gab es auch keine wirkliche Konkurrenz im Autobau und nichts entwickelte
sich wirklich nach vorn, während im Westen durch Konkurrenz der Unternehmen
untereinander eine der leistungsfähigsten Industriezweige der Welt
entstand. Gleiches gilt aber nicht für das Bildungswesen. Hier gibt
es keine wirkliche Konkurrenz der Schulen untereinander. Keine Schule
kann ihren speziellen Weg zum Abitur anbieten und dabei auf Erfolge verweisen,
die weniger erfolgreiche unter Zugzwang bringt, sich zu verbessern.
Im Gegenteil: Erhält eine Schule weniger Zulauf, weil andere Schulen
trotz aller Uniformierungen die Nase dennoch vorn haben, bestimmt z.B.
die Stadt, dass die beliebtere Schule Anmelder an weniger beliebte Schulen
abgeben muss. Das sollte man sich einmal im Automarkt vorstellen: Ich
will einen VW und bekomme einen Ford zugewiesen. Dann müsste sich
Ford nicht mehr um Produktverbesserungen bemühen, sondern kann träge
dahinwurschteln und auf die Zuweisungen warten.
Um
diese konkurrenzfreie Bildungslandschaft "aufzumischen", wurden
PISA- und OECD-Studien u.a entwickelt. Mit diesen internationalen Bildungstest
kann nun plötzlich klar werden, wo Deutschland im internationalen
Vergleich steht. Leider sind wir dort lange nicht so gut wie im Automobilbau.
Die Gründe sind vielfältig. Ein gewichtiger Grund ist zweifelsfrei
die konkurrenzfreie Organisation des Bildungswesen durch landeszentrale
Bildungsbürokratien.
Sie wollen ihre landeszentrale Macht nicht abgeben und fürchten,
dass sich bei frei gegebener Konkurrenz herausstellen könnte, dass
sie selbst und ihr konkurrenzfeindliches zentrales Normierungsdenken den
Kern des Problems bilden.
Wir
werden nun untersuchen, was die internationalen Bildungsvergleiche ergeben
haben und welche alternativen Wege, Schule besser zu organisieren, es
in diversen Bildungsnischen dennoch erstaunlicher Weise gibt.
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Erziehung im Nationalsozialismus, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis
von Politik und Pädagogik
Anhand des Films Napola, der fiktional, aber mit dokumentarischem Anspruch,
das Erziehungswesen des NS-Staates deutlich macht, erarbeiten wir dieses
Thema.
Es geht darum deutlich zu machen, wie früherkannt werden kann, das
etwas in die falsche, in die nazistische Richtung führt, wie z.B.
Erlebnispädagogik missbraucht wurde und wie sich die Denkgebäude
totalitärer Regime von denen unterscheiden, in denen sich Theoriefortschritt
auf demokratische Weise vollzieht.
Aus dieser Perspektive erweist sich das Theoriegebäude, z.B. der
Montessori-Pädagogik als wohlbegründete
offen überprüfbare Theorie, da aus den 5
Perspektiven der Theoriekritik kein wesentlich negativer Befund resultiert.
Ganz anders die Theorie der NS-Erziehung, die aus allen 5 Perspektiven
der Theoriekritik massiv letal kritisiert werden kann und muss.
Die
Strukturfolie
zur Theoriebildung wird uns auch in den weiteren Themen begleiten,
müssen wir doch immer mehr Theorien, die wir bislang vielleicht auch
nur von innen heraus verstanden haben, mit anderen vergleichen, sie in
den Zeitbezug stellen, ihre Problemlösungskraft beurteilen und ihre
empirisch wissenschaftliche Basis überprüfen.
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